Die Tatsache, dass ich im Jahre 2009 gleich vier Blogs auf die netzaffine Menschheit losgelassen habe, zeugt nicht nur von meiner Publikationsleidenschaft, sondern hat auch mit gewissen Umbrüchen in unserem Leben zu tun. 2002 waren meine Frau und ich „aus Gründen“ von Westberlin nach Witzenhausen ausgewandert und hatten dort auf dem Reiterhof Unterkunft und Logis gegen Arbeit bekommen. Vorübergehend, so der Plan, bis wir uns eine neue eigene Existenz aufgebaut hatten. Dort lernten wir als ehemalige Großstädter den Umgang mit Tieren zu schätzen und die vier Hofkatzen hatten sich nach Samtpfotenmanier ebenfalls in unsere Herzen geschlichen. Tinka, Sally und Benno waren es dann auch, die wir nach Verlassen des Hofes und dem Umzug in ein abgelegenes nordhessisches Dorf in unsere Obhut nahmen und die unser Verhältnis zu den Vertretern der schnurrenden Zunft nachhaltig prägten. Ihre Lebensgeschichten finden sich selbstverständlich in dem Onlinemagazin, das ich dann 2009 unter dem Namen Katzenkultur ins Leben rief.

Bereits der Name verrät, dass es mir bei diesem Magazin von Anfang an um mehr ging als um einen Blog, der von Anekdötchen und süßen Bildern „unserer“ Katzen oder von Ratgeberbeiträgen geprägt ist. Als Kreativer war (und ist) mir die Erforschung und Darstellung der kulturellen Seite der Samtpfoten ein Anliegen. Und dies äußerte sich nicht nur in Beobachtungen der dörflichen Katzengemeinschaften, ihrer Gewohnheiten und Rituale (also ihrer Kultur), sondern auch im Sammeln von belletristischer und kulturgeschichtlicher Katzenliteratur, im Aufstöbern von katzenaffinen Künstlern und Kunstwerken (also „unserer“ Kultur) und anderem mehr. Nicht zufällig hat sich das Magazin also auch inhaltlich ständig geändert, weiterentwickelt. Und das nicht nur, weil ich selbst zum Autor von Katzenliteratur geworden bin, sondern auch weil die kulturgeschichtliche Beschäftigung mit dieser Spezies immer weitere Kreise zog. So begann sich mein Interesse zunächst auch auf die wilden Verwandten der Stubentiger auszuweiten, dann auf andere Spezies und inzwischen liegt der Schwerpunkt des Magazins bei Themen wie „Kulturgeschichte des menschengemachten Artensterben“, Arten- und Umweltschutz und „Mensch-Tier-Beziehungen“.
Gerade letzteres ist für mich im Grunde bereits seit 2010 ein Thema, dem ich mich zunächst mit meinem Buch „Forscher, Katzen und Kanonen“, 2014 dann auch mit meiner historischen Schiffskatzenreihe „Die Rotbartsaga“ und nicht zuletzt auch mit den seit 2019 erscheinenden Büchern zur Kulturgeschichte des menschengemachten Artensterbens widme. Eine Tatsache, die insofern spannend ist, als ich mich damit, ohne dass es mir anfangs bewusst war, in einem Forschungsbereich bewege, der in Deutschland als Human-Animal Studies erst ab etwa 2009 langsam begann, sich im akademischen Bereich zu etablieren. Nicht ohne Stolz darf ich daher an dieser Stelle auch erwähnen, dass in Ausgabe 20/2021 der ersten deutschsprachigen Zeitschrift für Animal Studies, den Tierstudien (Erstausgabe 2012), ein Beitrag von mir „Rotbarts wilde Verwandte“ veröffentlich wurde.
Heute also prägen Beiträge und Pressemitteilungen von Museen, Instituten und Organisationen, die sich mit Artenschutz, Artensterben, Evolution Umwelt und anderen „tierlichen Angelegenheiten“ befassen sowie Rezensionen entsprechender Sach- und Fachliteratur das Magazin, dessen Namen ich allein wegen des Beitrags, den die Samtpfoten zu dieser Entwicklung geleistet haben, nicht ändern werde.
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Zur Folge 3 15 Jahre Werra-Meißner-Magazin
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