An meine LeserInnen

Gedanken zu einer komplizierten Beziehung

Liebe LeserInnen, zunächst einmal eine Klarstellung: Natürlich gehört ihr mir nicht, seid also gar nicht meine LeserInnen. Ihr lest aber die Bücher, die ich geschrieben habe. Die allerdings sind, wenn ihr sie gekauft habt, ebenfalls nicht meine Bücher. Und nein, auch die ProtagonistInnen gehören nicht mir, sondern – insbesondere bei den Figuren der Rotbartsaga – euch oder eher noch sich selbst.
Heute stehen oft genug die (Roman-) AutorInnen im Mittelpunkt des LeserInneninteresses und vor allem des Marketings. Und auch ich setze mich viel zu oft ganz persönlich in Szene, um den Kreis der FreundInnen der von mir erdachten RomanheldInnen zu erweitern – eine Entwicklung, die dem Internetzeitalter und der damit verbundenen Publikationsflut geschuldet ist und dem/der AutorIn das Leben/Schreiben nicht unbedingt erleichtert.

Lebenselexier LeserIn

Aber natürlich bin ich als Autor nicht ganz unbeteiligt am Entstehen der Geschichten und Persönlichkeiten, die sehr gerne in den Romanen ein Eigenleben entwickeln. Insofern kann ich mich natürlich nicht einfach ausklinken, mich in mein Kämmerlein zurückziehen und auf Fanpost hoffen, die allein durch die Lektüre meiner Werke generiert wird. Ich persönlich steuere zwar vor allem ein wenig Phantasie, ungemein viel Recherche und mehr oder weniger gelungene Worte bei, zum Leben werden die ProtagonistInnen der Geschichten aber durch euch, die LeserInnen erweckt. Wenn Bücher nicht gelesen werden, existieren die HeldInnen, ihre Taten und Abenteuer nicht, haben keine Chance auf Leben. Denn erst beim Lesen, entstehen in euren Köpfen Bilder, bekommen die DarstellerInnen jeweils ganz spezielle Kontur und Persönlichkeit, entwickeln sie ihren Charakter – und ich als Autor bin zunächst außen vor und muss mit meinen eigenen Vorstellungen vorlieb nehmen.

Kommunikation ist Leben

Und nun schließt sich der Beziehungskreis. Wenn ich selbst die von mir geschaffenen Charaktere besser kennenlernen will, die Facetten, die nur durch die Vorstellungen und Interpretationen des individuellen Lesers zutage treten, bin ich auf eure Erfahrungen mit ihnen angewiesen, muss ich mich mit euch austauschen, selbst ins Licht der LeserInnenöffentlichkeit treten. Persönlichkeiten, das gilt ganz besonders für Romanfiguren, existieren, entfalten sich nämlich erst dann wirklich, wenn über sie geredet wird, also in der Wahrnehmung anderer. Und das ist es, was mich hinsichtlich meiner social-media Präsenz, der mehr oder weniger gelungenen Selbstdarstellung antreibt. Da geht es nicht primär um Verkaufszahlen (obwohl ich mich natürlich über jeden einzelnen Tantiemencent freue), denn mit dem, was ich publiziere werde ich weder gefeierter Erfolgsautor noch reich. Aber die von mir erdachten Figuren und Charaktere, die Geschichten und Handlungen, ja selbst Landschaften und Wetter erhalten erst ihre Tiefe und Dynamik im Austausch mit euch.

Wenn Reden Gold ist

Meine Person als Autor ist dabei eigentlich völlig nebensächlich, ich kann bestenfalls so etwas wie ein Katalysator sein, der beispielsweise im Falle „meiner“ Schiffskatzenromane, einen sicherlich notwendigen Anteil an den Biografien der samtpfotigen ProtagonistInnen hat, der das Interesse auf seine literarischen Schützlinge lenkt, um sie zum Leben zu erwecken (und zu erhalten). Ohne diese durch die LeserInnen geschaffene Lebendigkeit der ProtagonistInnen ergibt das Schreiben am Ende keinen tieferen Sinn. So freue ich mich über jede/n Einzelne/n die/der zur Fangemeinde der abenteuerlustigen Samtpfoten neu hinzukommt, apelliere ich an alle, die ihr Herz für die ProtagonistInnen der von mir erdachten Geschichten entdeckt haben: Redet über sie, teilt eure Gedanken, lasst den legendären Rotbart und seine Kumpels oder Schiffskater Pixie und seine Freunde lebendig werden, durch eure reale und digitale Welt streifen und ein erfülltes literarisches Leben führen.

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Eingeordnet unter Gedanken zum Buch, Zur Person

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