Coronaler Karriereknick

Wie die Pandemie mein Leben verändert hat – oder auch nicht

Klar, wenn man mit den Begriffen Corona oder Pandemie titelt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Beitrag auch wahrgenommen und vielleicht sogar gelesen wird. Und auch ich konnte mich der Versuchung nicht entziehen. Trotzdem, auch wenn es sicher keinen Grund gibt, es so dramatisch darzustellen oder hochzuhängen, einen gewissen Einfluss hatte die Pandemie auf meine Karriere durchaus. Für mich bedeutet Karriereknick übrigens nichts anderes als Veränderung, Richtungsänderung, Schwerpunktverlagerung. So negativ dieser Begriff in unserer Scheuklappenbewehrten Arbeitswelt auch besetzt ist, Knicke können schließlich in alle Richtungen und nicht nur nach unten gehen. Und manchmal kommt ein Knick auch nicht allein.

Karrierestart als Sach-/Fachbuchautor

Ein erster Knick ergab sich, als es mit meiner Karriere als Westberliner Wissenschaftsjournalist in Zusammenhang mit dem Mauerfall steil bergab ging und ich begann, mich mit dem Thema kulturgeschichtliche Drachenforschung zu beschäftigen (weil ich nun die Zeit hatte und es mich interessierte) und eine eigene kleine Zeitschrift herausgab. Immerhin dauerte es noch bis 2010, bis mich ein junger, aufstrebender Wissenschaftsverlag aus Berlin entdeckte – zu einer Zeit, als ich längst nicht mehr in Berlin lebte – und mich fragte, ob ich dort nicht ein Buch zum Thema Drachen publizieren wollte. „Andre Zeiten, andre Drachen“ ist dabei (fast) mein erstes offiziell über einen Verlag publiziertes Buch und stellt somit den Beginn meiner Schriftstellerkarriere dar.  Inzwischen sind es drei dieser Bücher aus der Reihe „Kleine Kulturgeschichten“ geworden und das letzte „Forscher, Katzen und Kanonen“ deutete bereits den zweiten Karriereknick an – die literarische Beschäftigung mit den Themen Seefahrt, Katzen und Entdeckungsreisen. Damals habe ich mich zunächst von der kulturwissenschaftlichen Autorentätigkeit verabschiedet und mich (fast ganz) den historischen Katzenromanen „Rotbartsaga“ und „Schiffskater Pixie“ gewidmet. Dass ich dabei mit meinen kulturhistorischen Recherchen im Hintergrund immer am Ball geblieben bin, versteht sich von selbst.

Forscher, Katzen und das menschengemachte Artensterben

Die intensive Auseinandersetzung mit den europäischen Entdeckungs- und Forschungsreisen zog mich geradezu zwingend auch in die Thematik des menschengemachten sechsten Massenartensterbens hinein. Und wie meine Leser inzwischen wissen, bin ich – parallel zu meiner Romanschreiberei – mit meinem Buch „Rotbarts wilde Verwandte“ auch wieder zum Publizieren kulturgeschichtlicher Sachliteratur zurückgekehrt. Auch meine Bloggerei hatte sich in den letzten Jahren thematisch verändert. So dominieren auf meinen Blogs nun Buchvorstellungen zu den Themen Umwelt, Artenschutz, Entdeckungs-, Forschungsreisen und frühneuzeitliche Wissenschaftsgeschichte mit Schwerpunkt Naturforschung. Auf diese Weise bin ich auch auf den Neofelisverlag mit seiner wissenschaftlichen Zeitschriftenreihe „Tierstudien“ gestoßen, von denen ich meinen Bloglesern die eine oder andere Ausgabe vorgestellt habe. Und dann tauchte in einem Newsletter dieses Verlages ein „Call for Papers“ für die Ausgabe 20/2021 mit dem Thema „Extinction“ auf. Nun bin ich zwar kein akademischer Wissenschaftler, zum Thema hatte ich inzwischen aber aufgrund meiner Studien durchaus etwas zu sagen. Und so entschloss ich mich – und hier kommt Corona ins Spiel – einfach ein Exposee abzugeben. Die Pandemie brachte es mit sich, dass meine VHS-Kurse zu diesem Thema ebenso ausfallen mussten, wie mögliche (und teilweise schon geplante) Lesungen. Was also hatte ich außer einer Ablehnung zu verlieren.

Bei den animal studies vorne mit dabei

Nun, das Exposee wurde akzeptiert, der angeforderte Aufsatz ebenfalls und am 28.10.2021 ist die neueste Ausgabe der Tierstudien mit meinem Beitrag erschienen. Somit hat mich ein pandemieinduzierter Karriereknick wieder (zumindest teilweise) in die Arme des wissenschaftlichen Literaturbetriebes zurückgebracht. Dass damit bei mir zugleich die Erkenntnis gewachsen ist, dass ich bereits seit Jahren, ohne es zu wissen das weite und in Deutschland noch sehr junge Forschungsfeld der sogenannten „animal studies“ beackere, sei hier nur am Rande erwähnt. Inzwischen zeichnet sich ab, dass dieses Feld neben meinen historischen Schiffskatzenromanen und anderen literarischen Aktivitäten zukünftig wohl ebenfalls ein wichtiger und eigenständiger Arbeits- und Publikationsschwerpunkt werden könnte. So wird, wenn alles gut geht mit Corona, im Februar 2022 mit „Souvenirs, Souvenirs. Erinnerungen an das Artensterben“ eine von mir initiierte einwöchige Artenschutzausstellung (AgA e.V.) bei der VHS Werra-Meißner stattfinden. Mit Vorträgen, Diaschauen und Führungen von mir. Was für ein spannender und aufregender Karriereknick auf meine alten Tage!

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