Zu Gast in der Buchhandlung Mander
Rund 80.000 Neuerscheinungen überfluten Jahr für Jahr den deutschen Buchmarkt, die Zahl der verlagsunabhängigen Publikationen ist dabei noch nicht einmal vollständig erfasst. Die Chancen eines verlagsunabhängigen Autors, mit seinen Werken die Regale oder gar Schaufenster des stationären Buchhandels zu zieren, sind vor diesem Hintergrund verschwindend gering. Es sei denn er schafft es – an seinem Wohnort gut vernetzt und mit einem auf die Region bezogenen Thema – seinen Lokalbonus beim Buchhändler um die Ecke auszuspielen. Von diesen Voraussetzungen bin ich weit entfernt. Und doch findet sich mein neuestes Buch Schiffskater Pixie, mit James Cook um die Welt seit kurzem nicht nur im Schaufenster und im Sortiment, sondern als Empfehlung sogar im 12-seitigen Broschürchen mit dem Titel „Mander-Auslese 2019“ der rund 70 Kilometer von meinem Wohnort entfernten Wolfhagener Buchhandlung Mander.
Der Hintergrund dieses Achtungserfolgs – zum wohlhabenden Bestsellerautor werde ich es damit allein natürlich nicht bringen – ist pures Glück. Vermittelt über meine Kollegin Uschi Neubauer hatte ich bekanntlich die Gelegenheit, eine Lesung im Waldecker Ortsteil Sachsenhausen zu bestreiten, an der eher zufällig auch die Inhaberin der Wolfhagener Buchhandlung teilnahm. Das Buch konnte sie ganz offensichtlich überzeugen. In gewisser Weise auch das ein Glücksfall – unabhängig davon, dass das Buch einfach nur toll ist und den Vergleich mit Verlagsbüchern nicht zu scheuen braucht. Denn nicht jeder Buchhändler legt das Interesse an Literatur und besonderen Büchern an den Tag wie es bei Mander der Fall ist. Nicht jeder Buchhändler begegnet unbekannten und auch noch selbst publizierenden Autoren mit dem gleichen Respekt wie den Verlagsvertretern. Auch hinsichtlich kulturellen Engagements und Gastfreundlichkeit, stellt Mander tatsächlich etwas Besonderes dar.
Um hier nicht missverstanden zu werden, ich bin von der Buchhandlung nicht deshalb begeistert, weil dort mein Buch ausliegt, das ist eher ein erfreulicher Nebeneffekt. Aber das Angebot, das Veranstaltungsprogramm und die Ideen zeigen trotz aller Notwendigkeit, die Existenz über den Buchverkauf zu sichern, dass bei Inhaberin und Mitarbeitern die Literatur tatsächlich im Vordergrund steht. Und das macht auch dem Autor Spaß, völlig egal, ob sein eigenes Buch in den Regalen steht oder nicht.


Viele Leser wissen es nicht, aber der Autor steht mit seinen Tantiemen am unteren Ende der Buchmarkt-Nahrungskette. Nur wenige Schriftsteller (ob Verlags- oder Selfpublisher) können von ihren Büchern leben. Denn die Verlage, der Großhandel und der Einzelhandel, sichern sich zuerst ihren Anteil am Kuchen und auch die Drucker, Lektoren, Illustratoren, Setzer, Layouter und Korrektoren wollen natürlich für ihre Arbeit bezahlt werden. In der Regel bleiben dem Verfasser der Bücher bei den Verlagen etwa 8% (brutto) vom Nettoverkaufspreis. Der Selfpublisher muss seine Publikationskosten ebenfalls über den Buchverkauf einspielen, seine Marge ist jedoch auch hier nicht besonders hoch, will er mit seinem Buchpreis halbwegs wettbewerbsfähig bleiben. Denn die Publikationsdienstleister wollen ja auch noch „etwas“ verdienen.
















