Archiv der Kategorie: Gedanken zum Buch

Ick bin ein Shelfie

mit meinem Buchregal zu Gast auf Phileas’s Blog

6Ein neuer KontinentEine wunderbare Idee, die Philea alias Petra Gust Kazakos da auf ihrem Blog umgesetzt hat, der Menschen Bibliotope vorzustellen. Shelfies nennt sie diese Typen, die in ganz unterschiedlicher Weise – eben ihrer Persönlichkeit entsprechend – Petras Lesern einen Zugang zu ihrem persönlichen Buchregal gewähren. Auch mich hat Petras Ruf ereilt und so bin ich nun mit dem heutigen Abend Shelfie Nr. 23, für den seine virtuelle Gastgeberrolle unglaublich anregend war. Folgen Sie mir mit diesem Link auf Phileas Blog, um die Welten nicht nur meines Bücherregals kennenzulernen.

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Partner-Publishing, das Experiment

Unter diesem Titel hat das Magazin Buchreport.de meine Pressemitteilung zum aktuellen Buchprojekt „Rotbartsaga“ veröffentlicht.

SchiffvollKatzSxMit dem Buchprojekt „Rotbartsaga“ beschreitet Buchautor Wolfgang Schwerdt wieder einmal neue Wege im selbstbestimmten Publishing. Dabei ist eine enge Einbeziehung der potenziellen Leser, Partner und Sponsoren bereits während des Entstehungsprozesses des Buches ein zentraler Aspekt des selbstbestimmten Rotbartbuchprojektes.

Nach seinen Publikationen im Berliner Vergangenheitsverlag, seinen Veröffentlichungen über Amazon Kindle, Create Space und Neobooks, hält sich Schwerdt für sein neues literarisches Großprojekt alle Veröffentlichungsoptionen einschließlich des Eigenverlags offen. Denn, so der durch seine kulturgeschichtlichen Sachbücher bekannt gewordene Autor: „Bei den zahlreichen Möglichkeiten, die dem Autor heute beim Publizieren offenstehen, stellt sich die Frage nach dem  ‚wo veröffentliche ich‘ ohnehin nur am Rande.“ Lesen Sie die vollständige Pressemitteilung auf Buchreport

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2011 Odyssee im Webraum

1. Akt: Der Morgen des E-Books

 

Eine Gruppe von Holzbuchmenschen bewegt sich zwischen großen Verlagen, unbeachteten Autoren und mit billigem Mainstream gefütterten Lesern. Alle kämpfen um ihr Überleben im Literaturdschungel. Die Verlage versuchen, sich gegenseitig in Fluten kostenloser Rezensionsexemplare zu ertränken und sich darüber möglichst große Lesergruppen zu unterwerfen. Internationale Großbuchhändler versuchen den Verlagen ihre Gewinne und Marktanteile abzujagen. Die Autoren kämpfen um ihre nackte Existenz.
Eines Morgens erwacht die Holzbuchmenschengruppe neben einem mächtigen Monolithen, der zunächst unbemerkt von den Vor-E-Book-Menschen in den Literaturdschungel gebracht wurde. Der Zweck dieses Monolithen ist noch kaum jemandem klar, und so umtanzen die Vor-E-Bookmenschen völlig verängstigt den Kulturmonolithen, bevor der eine oder andere aus ihrer Mitte es wagt, ihn vorsichtig zu berühren. Langsam stellt sich eine Bewusstseinsveränderung ein. Autoren beginnen E-Books als Werkzeuge zu ihrer literarischen und wirtschaftlichen Emanzipation zu bergreifen, die ersten Leser entdecken die Vorteile der freien Verfügbarkeit von Literatur, neuer Formen des Lernens und Studierens und beginnen sich unabhängig von den Marketingaktivitäten großer Verlage eigene Urteile über die Qualität des Gelesenen und zum Literaturbetrieb zu bilden.
Schließlich hat sich das Leben der Vor-E-Book-Horde entscheidend verändert. Autoren und Leser haben mit dem E-Book und Selfpublishing ein neues Kulturwerkzeug entdeckt dessen intelligente Nutzung die (Um)Welt und Gesellschaft verändern und die kulturelle Definitionsmacht der großen traditionellen Marktteilnehmer in seine Schranken weisen wird.

Das Foto zeigt den Kulturmonolithen von Wolfgang Schwerdt, der seine „Kulturgeschichtliche Aspekte Reihe“ (E-Books) und „Kleine Kulturgeschichten aus dem Vergangenheitsverlag“ (Print und E-Books) miteinander vereint. Siehe auch die Links in der linken Sidebar.

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Haben die Verlage noch eine Zukunft?

Fragen, die sich so nicht stellen

Literatur ist Politik, also ein gesellschaftliches Phänomen, das nicht nur einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen, sondern in der Wahrnehmung vor allem ganz unterschiedlichen Interessen unterworfen ist. Verlage sind ebenso Teil dieses Literaturbetriebes wie die Leser, der Buchhandel, der Gesetzgeber, Wirtschaftsverbände, Buchhandel und hoffentlich nicht zuletzt die Autoren, Lektoren, Übersetzer oder Illustratoren.

Man könnte ganze Bücher füllen mit den Veränderungsprozessen im Literaturbetrieb, die seit der Erfindung der Schrift stattgefunden haben und dabei für jeden einzelnen der oben genannten Bestandteile des literarischen Gesamtkomplexes eine Entwicklungslinie zeichnen, die lediglich das belegt, was eigentlich selbstverständlich ist:

– alles hängt miteinander zusammen
– verändert sich ein Element, verändern sich alle Elemente
– für strukturelle Veränderungen sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wichtiger als Technologien

Für eine Antwort auf die angesichts der aktuellen Prozesse und Diskussionen heute meistgestellte Frage nach der Zukunft von . . . .  hilft vielleicht ein kleiner Perspektivwechsel.

Legenden der Geschichte

Greifen wir als Beispiel den Buchdruck heraus, der den Verfechtern der elektronischen Buchzukunft als Paradebeispiel für eine literarische Revolution gilt, die nun mit der Technologie des electronic publishing wiederum anzustehen scheint. Aber ebenso wenig wie es Luther war, der mit – je nach Sichtweise – seinen Wittenberg-Thesen oder seiner Bibelübersetzung für die Reformation verantwortlich zeichnete, war es Gutenberg, der mit seiner Druckerpresse den „Buchmarkt“ revolutionierte. Beide hatten nicht einmal die Voraussetzungen für diese „Revolutionen“ geschaffen. Sie hatten – übrigens zeitglich mit vielen anderen, oft kaum beachteten Zeitgenossen – lediglich die Instrumente zur Verfügung gestellt, die den Anforderungen des längst stattgefundenen gesellschaftlichen Strukturwandels angemessen waren.
Natürlich soll das hier kein neues Buch aus meiner selfpublished Kindle-E-Book-Reihe „Kulturgeschichtliche Aspekte zu . . .“ werden. Aber das, was sich als Konzept hinter dieser Reihe verbirgt, gilt auch für die Zukunftsfragen, die sich jeder einzelne Beteiligte aus seinem Blickwinkel heraus stellt: der eine, eigene, meist einzige Blickwinkel ist für eine zukunftsorientierte Positionierung im Gesamtprozess nicht unbedingt förderlich.

Überlebenskampf der Dinosaurier

Während sich schon längst reine epub-Verlage entwickelt haben, versuchen nun auch die großen Print-Verlage in das E-Geschäft einzusteigen. Viele Experimente finden hier derzeit statt, die jedoch im Massen- bzw. Mainstreambereich nichts anderes bedeuten, als den Versuch der großen Marktteilnehmer, sich gegenseitig traditionelle Marktanteile nun auch im virtuellen Bereich streitig zu machen. Bei der vor allem ökonomischen Betrachtungsweise von Literatur als Wirtschaftsgut, als austauschbare Handelsware, ist es kein Wunder, dass nun auch die großen Buchhandelsketten und Online-Shops elektronische Morgenluft wittern und sich hier – längst überfällig – die Kräfteverhältnisse zwischen Verlagen und Handel aber auch innerhalb des Handels gehörig verschieben. Das alles sind aber lediglich Kämpfe um Marktanteile, die sich innerhalb der traditionellen, aus industriellen Strukturen heraus entstandenen Literaturunternehmen abspielen, und in erster Linie zum Ziel haben, die in vielerlei Hinsicht nicht mehr zeitgemäßen Strukturen zu konservieren. Dazu gehört auch die aktuelle Tendenz verschiedener Marktteilnehmer,  über jeweils eigene Reader und Dateiformate die Konkurrenz auszuschließen.
Dass dabei letztendlich auch Leser ausgeschlossen werden, spielt für die Großen zunächst keine Rolle, schließlich geht es um Verdrängung, Konzentration, Monopolisierung von Vertriebskanälen und nicht um Literatur.

Die große Zeit der Kleinen

Nun gut, meine Einschätzung ist sicherlich subjektiv, aber für mich sind diese Aktivitäten die letzten Zuckungen eines verkrusteten industriellen Buchmarktes und haben mit Zukunft nur wenig zu tun. Während sich die Einen um die immer kleiner werdende Gruppe eines irgendwie definierten Mainstream-Massen-Konsumenten prügeln, sehe ich bei den kleinen, ambitionierten Verlagen recht große Zukunftsperspektiven. Klar, ich habe inzwischen mehr electronic-selfpublished, als verlagspubliziert, aber ich sehe gleichzeitig eine sehr große Zukunft in der Zusammenarbeit beispielsweise mit dem Berliner Vergangenheitsverlag, bei dem bereits mein „Andre Zeiten, andre Drachen“ erschienen ist, mitte November meine „Vampire, Wiedergänger und Untote“ herauskommen werden und für das nächste Jahr ein weiteres Projekt vereinbart ist (weitere Ideen habe ich schon auf Lager). Dieser Verlag, der natürlich auch aus Gründen der Eigenwerbung hier genannt ist, verkörpert für mich tatsächlich ein Zukunftskonzept. Er nutzt nicht nur ganz selbstverständlich die neuen Technologien und entwickelt auch inhaltlich neue Formate, die der tatsächlichen Differenzierung unserer Gesellschaft und damit auch der in viele Zielgruppen aufgesplitterte Leserschaft gerecht werden, er gibt mir auch die professionelle Sicherheit und die Rückenfreiheit, die ich als Autor benötige, um vernünftige Inhalte zu produzieren (für mich ist allein das Recherchieren und Schreiben ein Vollzeitjob). Denn ohne professionellen „Verlagspartner“ kann ich derzeit guten Gewissens nur Texte selfpublishen, mit denen ich mich  – in meinem Fall in Form von Online-Artikeln – bereits an anderer Stelle als qualifiziert profiliert habe und die keiner Betreuung durch Lektorat etc. mehr bedürfen.

Neues Selbstverständnis der Autoren

Für größere, neue Projekte bedarf es nach wie vor professioneller Unterstützung in Form von Lektorat, Marketing, Satz und Layout (gilt ja auch fürs elektronische) etc., die ich mir als Autor entweder als Kooperationsnetz zusammenkaufen, oder eben über die Zusammenarbeit mit einem innovativen und ambitionierten Verlag beschaffen kann. Mit diesem Verlag lassen sich dann auch neue Formate diskutieren, entwickeln und umsetzen, für die gerade der E-Book-Bereich gewaltige Potenziale beinhaltet. Für mich ist es keine Frage: Verlage haben eine Zukunft . . . Massenbuchproduzenten, ob elektronisch oder Papier, langfristig eher nicht. Aber eines ist auch klar: eines Verlages, der nur publiziert, die ISBN beschafft und die inzwischen automatisierten Vertriebswege bedient,  Lektorat und Marketing aber allein dem Autor überlässt, bedarf es in der Zeit der diversen Selfpublishing-Möglichkeiten sowohl im Print als auch im E-Bereich nicht wirklich. Die Autorenschaft, die ihr Handwerk halbwegs beherrscht – dies die eigentlich interessante Botschaft – hat vor dem Hintergrund der aktuellen Prozesse die einmalige Chance, sich als eine strukturell mitgestaltende Gruppe des Literaturbetriebes zu etablieren. Auch bei den Autoren müssen in diesem Zusammenhang im Selbstverständnis allerdings ein paar Veränderungen stattfinden. Ein Autor jedenfalls, der heutzutage verzweifelt nach einem Verlag sucht, der ihn publiziert, ist wohl noch nicht ganz in der heutigen Zeit angekommen.

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Die Zukunft liegt in . . . ein Wort an alle Spökenkieker

Was begegnen einem im weltweiten social net nicht alles für Wahrheiten – einzige natürlich – über die Zukunft. So wird es sein, es geht gar nicht anders, das liegt doch auf der Hand oder?

„Die Zukunft liegt in den Händen der vernetzten Autoren oder schreibenden Netzwerker.“

„Die Zukunft liegt im E-Book“

„Die Zukunft liegt in den erneuerbaren Energien, also Wind, Wasser, Sonne.“

„Die Zukunft gehört dem Elektroauto“

„Die Zukunft liegt im virtuellen social networking“

„Die Zukunft liegt . . . . “

Wirklich?

Tatsächlich dürfte die prognostizierte Zukunft im Vorstellungsvermögen, der Interessenlage und dem Glauben des Prognostikers liegen. Das ist durchaus legitim, sollte jedoch keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben.

Die Zukunft jedenfalls liegt in der Zukunft.

Die Zukunft liegt vielleicht . . . . vielleicht aber auch . . . möglicherweise aber auch dort, wo wir sie auf unserem heutigen Wissensstand gar nicht vermuten können.

Immerhin lag im 18. Jahrhundert die Zukunft der Menschheit und der Menschlichkeit in der Dampfmaschine und der Industrialisierung – worin nach damaligem Kenntnisstand auch sonst? Inzwischen entspricht diese damals einzig vorstellbare Zukunft nicht einmal mehr der Vergangenheit, geschweige denn der Gegenwart.

Mit der Gegenwart in die Zukunft

Eines lässt sich mit absoluter Sicherheit sagen: der Weg in die Zukunft ist nicht eingleisig, sondern hält viele Optionen bereit, sei es parallel, sei es ineinander verwoben. Die Zukunft ist wie das Leben multidimensional und in seiner Entwicklung im Kleinen wie im Großen unberechenbar. Und sie beinhaltet immer auch die Vergangenheit, die mit der Zukunft eben nicht einfach verschwindet. Wer die Zukunft bereits zu kennen glaubt und seinen Weg dorthin konsequent an dieser Kenntnis ausrichtet, verschließt sich ihr mit großartiger Geste.

Vielleicht ist der beste Weg in die Zukunft, die Gegenwart am Menschen und seiner Umwelt und nicht an Wirtschaft oder Technologie orientiert zu organisieren – das zumindest wäre meine Vorstellung von der Zukunft, denn die Gegenwart können wir gestalten, die Zukunft ist bestenfalls das Ergebnis der gegenwärtigen menschlichen Bemühungen.

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